Erleichterungen im Bilanzrecht für Kleinstunternehmen

Das Kleinstkapitalgesellschaften-Bilanzrechts-änderungsgesetz - MicroBilG wurde am 27.12.2012 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und ist damit am 28.12.2012 in Kraft getreten.
Hintergrund: Kleinstbetriebe, die in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft oder einer Personenhandels-gesellschaft ohne voll haftende natürliche Personen
(z.B. GmbH & Co KG) organisiert sind, unterlagen bisher umfangreichen Vorgaben für die Rechnungs-legung. Bei Unternehmen mit sehr geringen Umsätzen
und Vermögenswerten lösten diese Vorgaben oft eine deutliche Belastung aus; gleichzeitig konzentriert sich das Interesse Dritter an Jahresabschlüssen häufig auf die Nachfrage weniger Kennzahlen.
Hierzu wird weiter ausgeführt: Mit der Gesetzes-änderung werden im Anschluss an frühere Entlastungen durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz die Vorgaben für die Rechnungslegung für Kleinstkapital-gesellschaften maßvoll abgeschwächt. Grundlage ist die im Frühjahr 2012 in Kraft getretene Micro-Richtlinie (2012/6/EU), die es den Mitgliedstaaten erstmals erlaubt, für Kleinstkapitalgesellschaften Erleichterungen im Bereich der Rechnungslegungs- und Offenlegungsvor-schriften zu gewähren. Das Gesetz nutzt die in der
Richtlinie festgelegten Spielräume bei der Festlegung des Kreises der erfassten Unternehmen nahezu vollständig aus. Eine Umstellung auf eine freiwillige Offenlegung ermöglicht die Richtlinie jedoch nicht.
Von der Entlastung können alle Kleinstkapitalge-sellschaften profitieren, die an zwei aufeinander folgenden Abschlussstichtagen zwei der drei nachfolgenden Merkmale nicht überschreiten:

  • Umsatzerlöse bis 700 000 Euro,
  • Bilanzsumme bis 350 000 Euro sowie
  • durchschnittliche 10 beschäftigte Arbeitnehmer.

Inhaltlich sieht das Gesetz folgende Erleichterungen im Bereich der Rechnungslegung und Offenlegung vor:

  • Kleinstunternehmen können auf die Erstellung eines Anhangs zur Bilanz vollständig verzichten, wenn sie bestimmte Angaben (unter anderem zu Haftungsverhältnissen) unter der Bilanz aus-weisen.
  • Darüber hinaus werden weitere Optionen zur
    Verringerung der Darstellungstiefe im Jahresab-schluss eingeräumt (z. B. vereinfachte Gliederungsschemata).
  • Kleinstkapitalgesellschaften können künftig wählen, ob sie die Offenlegungspflicht durch Veröffentlichung (Bekanntmachung der Rechnungslegungsunterlagen) oder durch Hinterlegung der Bilanz erfüllen. Zur Sicherung eines einheitlichen Verfahrens wird die
    elektronische Einreichung der Unterlagen beim Betreiber des Bundesanzeigers auch für die Hinterlegung vorgeschrieben. Im Fall der Hinterlegung können Dritte - wie in der Richtlinie vorgegeben - auf Antrag (kostenpflichtig) eine Kopie der Bilanz erhalten

Hinweis: Die Neuregelungen gelten für alle Geschäfts-jahre, deren Abschlussstichtag nach dem 30. Dezember 2012 liegt, erstmals also für Geschäftsjahre mit dem Abschlussstichtag 31. Dezember 2012.

Quelle: BMJ, Pressemitteilung v. 28.12.2012

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